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Ein ganz Großer tritt ab

Der Kapitän verabschiedet sich in den Handball-Ruhestand!

Ein Abschied, der dem schwarz-weißen Handballer-Herz so richtig weh tut. Mannschaftskapitän Christopher Seitz hängt nach über 25 Jahren die Handballschuhe an den Nagel, um mehr Zeit für seine junge Familie zu haben. "Seitzi" ging immer voran, war der emotionale Leader und sprach auch die unbequemen Dinge direkt an. Der Dansenberger Handballsport verliert einen einmaligen Sportsmann, aber auch einen echten "Typen", wie man ihn nur selten findet.

Mitreißend, emotional, kämpferisch, ehrgeizig, hart gegen andere, aber auch gegen sich selbst und ausgestattet mit dem Willen niemals aufzugeben: Wenn auf einen Sportler alle diese Charakter-Eigenschaften zweifelsohne zutreffen, dann auf Christopher Seitz. Man gebe noch eine ordentliche Portion Athletik hinzu, ein gewisses handballerisches Talent sowie die Fähigkeit sich auch in den aktiven Jahren noch beständig weiterzuentwickeln – Fertig ist der Mix für eine wirklich stolze Handballer-Karriere!

Der TuS bedankt sich bei seinem Kapitän für seinen unermüdlichen Einsatz auf dem Parkett und verabschiedet ihn in den aktiven Handballer-Ruhestand! Natürlich hätten wir die Verabschiedung gerne vor einem großen Publikum vorgenommen, was ja aufgrund der Corona-Einschränkungen leider nicht möglich ist. Die Verabschiedung werden wir aber sicher sobald möglich gebührend nachholen.

Download Rheinpfalz-Interview vom 6. Mai 2020 (PDF)

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Die folgenden Zeilen skizzieren nur einen Teil von dem was den Menschen Christopher Seitz so besonders macht. Geschrieben von seinem langjährigen Weggefährten und Freund Benjamin Lanz!

Eigentlich kann ich mir das noch gar nicht so richtig vorstellen, Handballspiele in Dansenberg ohne „de Seitzi“. Wenn ich richtig gerechnet habe, zähle ich 13 Jahre in der Jugend und insgesamt 15 Jahre aktiv. Abgesehen von einem Jahr „Auslandssemester“ in Illtal, all die Jahre nur für den TuS aufgelaufen, das ist schon beeindruckend und davor kann ich nur den Hut ziehen.

Die Anfänge

Über zwanzig Jahre davon haben wir gemeinsam das TuS-Trikot getragen und ehrlich gesagt waren Alex (Jörg) und Du der Grund, warum ich damals auch mit dem Handball angefangen habe. Zusammen aufgewachsen in unmittelbarer Nachbarschaft in der Wasserlochstücke in Dansenberg haben wir dort ständig in den Sandkästen und auf den Spielplätzen als kleine Knirpse gespielt. Klingt für die heutigen Kids vielleicht verrückt, aber wir sind tatsächlich mehrmals in der Woche einfach raus gegangen zum Spielen, Radfahren und Bolzen. Und als ich euch mal wieder zum Spielen abholen wollte, wart ihr nicht da. „Alex und Chrissi sind im Handballtraining beim Heiko,“ hat mir Alex‘ Mutter Ulla damals gesagt. Eine Woche später war ich dann selbst in der alten Dansenberger Halle mit Euch im Minitraining beim Heiko (Benkel), der uns wie so vielen die ersten handballerischen Schritte beigebracht hat. Und von da an haben wir nicht nur den Sandkasten geteilt, sondern auch die Handballhalle. So einfach war das damals.

Erste Erfolge

Aus den kleinen Jungs sind dann recht schnell einigermaßen talentierte Jugendhandballer geworden. Auch wenn Du als 1987er-Jahrgang ein Jahr jünger bist als ich, so haben wir trotzdem in der Jugend und auch in den pfälzischen Auswahlmannschaften oft zusammen gespielt, denn es war für uns völlig normal bei „den Großen“ auszuhelfen. So haben wir um die Jahrtausendwende herum auch gemeinsam mehrere Rheinland-Pfalz-Pokalsiege in der Jugend errungen. Und 2002 in der B-Jugend dann endlich, nach einigen Jahren Anlauf, den ersten Pfalzmeistertitel, damals die höchste Jugendliga in der Pfalz. Mit und dank unserem Coach Simon (Meyer) haben wir damals drei Jahre in Folge die Meisterschaft nach Dansenberg geholt, zusammen mit Tim, Marc, Alex und noch ganz vielen mehr…War glaub ganz okay so von den Erfolgen damals…nicht nur auf dem Platz…;-)

Südwestdeutscher Vize-Meister

Die Höhepunkte in der Jugend waren aber im Anschluss an die Pfalzmeistertitel die südwestdeutschen Meisterschaften gegen die besten Teams aus Hessen, Thüringen, dem Saarland, dem Rheinland und aus Rheinhessen. Auch wenn wir von 2002 bis 2004 drei Mal in Folge an den damals übermächtigen Hessen (aus Wetzlar und Kirchzell) knapp gescheitert und „nur“ südwestdeutsche Vizemeister geworden sind, so sind diese Wochen jeweils in unvergesslicher Erinnerung. Besonders die beiden Siege gegen den damaligen Bundesliganachwuchs aus dem Handball-Internat in Eisenach waren etwas Besonderes. Zuhause in der proppenvollen Unisporthalle und ein Jahr später auswärts, sonntagmorgens um 11 Uhr in Eisenach. Am Vortag sind wir als Mannschaft damals morgens mit drei Kleinbussen aufgebrochen und haben die Wartburg besichtigt, abends das Bundesligaspiel Eisenach gegen den THW Kiel live in der Halle gesehen und haben in einer Jugendherberge übernachtet. Am nächsten Morgen ist für uns „kleine B-Jugendliche“ extra ein rappelvoller Fanbus um 6 Uhr morgens am Dansenberger Dorfplatz losgefahren, um rechtzeitig in Eisenach zu sein und um uns zu unterstützen. Bedankt haben wir uns, indem wir erneut den Bundesliganachwuchs düpiert haben.

Auf jeder Position zuhause

So sind wir Jungs also sportlich erwachsen geworden und schnell hast Du Dir Deinen Platz in der ersten Mannschaft erarbeitet. Begonnen hast Du auf Rechts- und dann Linksaußen und es hat ein wenig gedauert, bis sich aus dem Flügelflitzer über den Goalgetter der Ersten der Allrounder und heutige Turm in der Abwehr entwickelt hat. In der Tat hast Du im aktiven Bereich alle Positionen längere Zeit gespielt, ob Außen, Kreis oder Rückraum. Und ich möchte nicht verschweigen, dass Du sogar in der D-Jugend auch mal eine Saison im Tor gespielt hast. Ich glaube daraus haben in der Jugend und auch ganz zu Beginn der Aktivenzeit ein paar Flugeinlagen nach „bösen Fouls“ resultiert, wobei wir Mitspieler und auch Du selbst oftmals danach kaum das Lachen unterdrücken konnten. Erfolg und das Gewinnen ging uns einfach über alles, selbst mit so „unfairen Mitteln“.

Sangeskunst in der 1. Mannschaft

Die ersten Aktivenjahre gemeinsam im Team von Harald Jungmann, zusammen mit Jens, Sebi, Doener, Tim, Naui, Stecki und auch dem heutigen Coach Steffen – wir sind heute noch stolz, ein Teil dieser kleinen TuS-Ära in den ersten Jahren dieses Jahrtausends gewesen zu sein. Insbesondere die Heimfahrten im Mannschaftsbus mit Dooseberjer Liedgut, egal ob Sieg oder Niederlage sind mir im Gedächtnis – hier hast Du vermutlich auch für deine zeitweise Kerwe-Karriere das erste Mal „Dooseberjer Handball soll lebe hoch!“ vorgetragen.

Auf und Ab eines Handballerlebens

Auch die Jahre danach, das Auf und Ab zwischen Oberliga und Pfalzliga mit Meistertiteln und direkten Wiederaufstiegen in die Oberliga RPS hast Du mitgeprägt. Der zweite Wiederaufstieg 2010 unter Trainer Kai Christmann, zusammen mit Deinem Bruder Markus das erfolgreiche Relegationsspiel in Bodenheim – Emotion und Drama pur. Die Jahre danach in der ORPS waren nicht immer einfach, wenn Trainer und Spieler gleichermaßen emotional und zugleich ein wenig stur sind – doch an Deiner Meinung hast Du stets festgehalten. Und letztendlich hat Dich das alles persönlich weiter gebracht und auch reifen gelassen. In einem Zeitungsinterview zuletzt hast Du sogar versöhnlich gesagt, dass Dich Kai als Trainer vermutlich am meisten geprägt hat im Aktivenbereich.

Volltreffer in letzter Sekunde

In diesem Zeitungsinterview hast Du auch eines Deiner absoluten Highlights aus der ORPS-Zeit erzählt - dein direkt verwandelter Freiwurf gegen die SG Sau Geil Saulheim zum 30:30-Endstand. Nicht erwähnt hast Du dabei, dass wir auch in dem Spiel wie so oft schon scheinbar unerreichbar zurückgelegen haben. Gekämpft hast Du in dieser Partie wirklich bis zur letzten Sekunde und Dich selbst und das Team belohnt, auch wenn es tatsächlich nur um die goldene Ananas ging. Nicht erwähnt hast Du übrigens auch, dass Du nach dem Treffer direkt von einer feiernden Spieler- und Fantraube von mehr als 30 Leuten quer durch die Halle gejagt worden bist. Und nach dem Vollsprint am anderen Hallenende beinahe in dieser Menschenpyramide aus jubelnden Spielern und Fans erstickt worden wärst. Szenen für die Ewigkeit – schade, dass das damals nicht auf Smartphones festgehalten wurde.

Seitzi, Du Zigeuner

Im vergangenen Jahrzehnt wurdest Du dann immer mehr zu DEM Gesicht des Dansenberger Teams und logischerweise irgendwann auch zum Kapitän ernannt. In einer sich zwar immer wieder verändernden Mannschaft, mit einem Kern aus talentierten Dansenbergern und externen Verstärkungen, die jedoch von Dir immer direkt integriert wurden. Allerspätestens an der Dooseberjer Kerb sind die externen Spieler dann herzlich und mit dem einen oder anderen Kaltgetränk in die Dansenberger Familie aufgenommen worden.

Abschied auf dem Höhepunkt

Ein neues sportliches Erfolgskapitel habt ihr der langen und erfolgreichen Geschichte des TuS hinzugefügt, als ihr unter Coach Marco Sliwa den Meistertitel in der ORPS erreicht und Euch in den Folgejahren in der 3. Liga Süd etabliert habt. Dabei warst Du nicht nur ein erfahrener Leitwolf, sondern bist immer mit voller Motivation und vorbildlichem Einsatz vorausgegangen. Und hast auch in unbequemen Momenten Deine Meinung gesagt. Eigenschaften, die aus meiner Sicht einen wirklich guten Kapitän ausmachen. Die sportlichen Erfolge, der Titel in der Oberliga RPS und die vergangenen drei Jahre in der dritten Liga Süd sind auch unmittelbar mit Deinem Namen verbunden.

Ein neues Kapitel

Nun schlägst Du also ein neues Kapitel auf, die Handballschuhe werden an den berühmten Nagel gehängt. Dabei hättest Du es nicht besser planen können, hätte es die Corona-Einschränkungen nicht gegeben. Denn genau einen Tag nach dem theoretisch letzten Saisonspiel bist Du zum ersten Mal Vater geworden – was für ein Timing! ;-)

Danke!

Danke für die vielen gemeinsamen Stunden in Handballhallen, für unzählige Auto- und später Busfahrten zu Auswärtsspielen, für gemeinsam gefeierte Erfolge und auch für zusammen durchgestandene Niederlagen, in allen Lebenslagen. Danke für die Freundschaft seit dem Sandkasten und die auch in schwierigen Situationen oft von Dir ehrlich gemeinte Frage: „Wie geht’s Dir?“ Danke, Chrissi!

Eines ist jedoch gewiss: Wir sehen uns in der Halle, und das gilt nicht nur für mich, sondern auch für alle Fans, Freunde und Verantwortliche des TuS. Denn Seitzi ist Dooseberjer Handball – und irgendwie auch umgekehrt. Oder um es mit seinen so oft gerufenen Worten auszudrücken: „Dooseberjer Handball soll lebe hoch!“ Danke, Seitzi!

(von Benjamin Lanz)

#6 || Christopher Seitz

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