Das Gürtelsystem und ihre Bedeutung

Wie im normalen Leben, ist es auch im Karate: es steckt natürlich mehr dahinter als nur das, was man sieht.

So verhält es sich auch mit dem Gürtel, den der oder diejenige trägt oder anstrebt zu tragen. Das Ding da, das die Jacke zusammen hält (wenn man zu faul ist, die zuzubinden) ist mehr, als nur ein Stück langer Baumwolle oder Seide.
Klar denkt jeder außenstehende, man geht in einen Laden, der diese Artikel führt, kauft sich einen Anzug, einen entsprechend farbigen Gürtel, legt das Zeug an und dann sieht man mal weiter.

JEDOCH !!!!
Es ist nicht nur die Farbe des Gürtels und das Können, das man damit haben sollte, sondern noch eine tiefergehende Bedeutung und die ist in der folgenden Aufstellung zu sehen. Dahinter habe ich mal versucht, die Sätze so zu schreiben, daß man das auch versteht. Weil Poesie oder tiefergehende Formulierungen mögen manche Menschen nicht so sehr.

 

9.Kyu

Weißgurt

Der Schnee liegt auf der Landschaft.
Der Lehrer sieht den Schüler nicht
Der Schüler sieht die Lehre nicht.

Heißt soviel wie, man ist einer von vielen und weiß nicht,

wo man hin will und was das alles soll.

8.Kyu

Gelbgurt

Der Schnee schmilzt. Die harte, gefrorene Erde leuchtet gelb.
Der Lehrer sieht nicht, ob der Schüler fruchtbar ist.
Der Schüler sieht nicht, ob aus dieser Lehre für ihn Frucht wachsen wird.

Jetzt bekommt man einen ersten Eindruck, wie es ist,

aber klar ist es einem noch nicht und man weiß nicht

so recht, was man davon halten soll.

7.Kyu

Orangegurt

Die fruchtbare Erde leuchtet in der roten Abendsonne.
Der Lehrer sieht noch keine Frucht
Der Schüler keimt, kann aber noch nichts.

Es wird langsam Licht. Man selber sieht, daß da was

entsteht, aber ein anderer hat noch nicht so recht das Gefühl.

6.Kyu

Grüngurt

Ein Pflänzlein kommt?
Der Lehrer sieht, der Schüler versteht.
Der Schüler erkennt die Wirkung der Lehre.

Jetzt erst fängt man an zu begreifen, wie manches ist

und was manches zu bedeuten hat. Es ist erkennbar was

das mal werden soll.

5.Kyu

Blaugurt

Die Baumkrone reicht in den Himmel.
Der Lehrer sieht das Leben seines Samens.
Der Schüler sieht die Tiefe der Lehre.

Jetzt fängt man an, den Bogen raus zu haben. Man weiß,

wie es geht

und es wird einem bewusst, was man da eigentlich macht.

4.Kyu

Violettgurt

3.Kyu

Braungurt

Der Baum hat feste Borke.
Der Lehrer sieht den Beginn selbständigen Lebens.
Der Schüler sieht, fest gewachsen, den ersten Gipfel in der Ferne.

Jetzt ist man kurz davor. Man steht vor dem "Bereitsein"

für das neue, das da kommt. Man ist bereit, alleine was

zu machen

2.Kyu

Braungurt

1.Kyu

Braungurt

1. Dan

Schwarzgurt

Das Wandeln der Stille.

Jetzt hat man es geschafft. Man kann alleine gehen. Links

und rechts sieht man Dinge, die entstehen, die wachsen

und man nimmt seine Umwelt besser wahr. Unter uns

gesagt, man ist jetzt endlich Volljährig und kann den Führerschein machen.

. ..

...

10. Dan

Schwarzgurt

 

Vorwort zur Prüfungsordnung

 

Die Prüfungsordnung gliedert die Trainingsinhalte in der Entwicklung eines Karateka vom Anfänger bis zum Meister und die Prüfungskriterien zu den verschiedenen Schüler- und Meisterprüfungen. Durch langfristiges und beständiges Training soll der Übende, gleichzeitig mit der körperlichen Ausbildung, den verantwortungs-bewußten Umgang mit Partnern im Karate erlernen. Dazu dienen die Regeln und Etikette des Karate - Do, die unverzichtbarer Bestandteil des traditionellen Shotokan-Karate wie auch dieser Prüfungsordnung sind. Die unterschiedlichen Übungsformen von Grundschule, Partnertraining und Kata bieten dem Karateka eine solide Ausgangsbasis für das breite Spektrum des Karate. In der Prüfungsordnung wurde aus Gründen der Übersicht-lichkeit auf das Hinzufügen von weiblichen Endungen verzichtet. Entsprechende Begriffe sind nicht geschlechts-spezifisch gemeint.

Die Prüfungsordnung ist in vier Gruppen aufgeteilt. In jeder Gruppe werden besondere Schwerpunkte in der Ausbildung gesetzt. Es sind dies:

 

 

Unterstufe 9. - 7. Kyu

In der Unterstufe erlernt der Prüfling die Grundform der einzelnenTechniken.

Den Abschluß dieser Stufe bildet der 7.Kyu, der den

Übergang zur Mittelstufe vorbereiten soll.


Prüfer und Prüfling achten vor allem auf sichere Stände, korrekte

Techniken und Ausholbewegungen. Die aufrechte Haltung des

Oberkörpers ist ein wichtiges Merkmal. Die Prüflinge zum 7. Kyu

müssen bereits gute Ansätze von innerer und äußerer Spannung zeigen.


Im Kumite und im Kumite aus Kamae ist die kontrollierte Ausführung

der Techniken und die richtige Distanz beider Partner besonders zu

beachten.


In der Kata sind sowohl korrekte Abläufe, die beim 7. Kyu bereits

Rhythmus erkennen lassen, als auch ein Verständnis der Hintergründe

der Techniken in der Kata gefordert.


Die Selbstverteidigung ist ein natürlicher Bestandteil des Karate. Das

Erlernen der Sportart soll den Karateka zur Selbstbehauptung und zur

Selbstverteidigung befähigen. Dieses Lernziel muß bei der Ausbildung

berücksichtigt werden, wird jedoch nicht als zu prüfender Teil in die

Prüfungsordnung aufgenommen.

 

 

Mittelstufe 6. - 4. Kyu

Die Grundtechniken, die jetzt häufig in Kombinationen gezeigt werden,

sollen sich von der Grundform zur Feinform entwickeln.

Bei der Ausführung der Kombinationen ist wichtig, daß sich die Qualität

der Einzeltechnik nicht verschlechtern darf. Besonderer Wert wird auf

folgende Merkmale gelegt:


Bewegungsrhythmus, bewußter Hüfteinsatz, Standfestigkeit,

Atemtechnik und Kime.


Im Kumite und im Kumite aus Kamae müssen sich die technischen

Fertigkeiten in Bewegungsvielfalt, Kampfgeist und Kontrolle

ausdrücken. Der Respekt vor der Gesundheit des Partners ist einer der

Eckpfeiler des fortgeschrittenen Karateka!


In der Kata soll sich das fortgeschrittene Können des Prüflings sowohl

im Verständnis ( BUNKAI ) als auch in der Flüssigkeit ( Rhythmus )

des Vortrages zeigen. Alle bis zu der jeweiligen Graduierung erlernten

Kata gehören mit zum Prüfungsstoff.

 

 

Oberstufe 3. - 1. Kyu

Die Grundschule der Oberstufe zeichnet sich durch eine Vielzahl

schwieriger Kombinationen aus. Dabei sind Qualität in den

Einzeltechniken, Rhythmus in den Verbindungen, Standfestigkeit und

nicht zuletzt Ausdauer zu zeigen. Sie spiegelt den Fleiß und die Intensität

des Trainings wider.


Im Kumite wird sowohl das Jiyu - Ippon - Kumite, als auch der Freie

Kampf ( Jiyu Kumite ) geprüft. Beides stellt höchste Anforderungen an

den Prüfling. Nur wer exakte Technik mit Kampfgeist und Kontrolle

paart, erfüllt die hier gesetzten Anforderungen. Sieg oder Niederlage ist

beim Jiyu Kumite nicht prüfungsentscheidend.


In Kata und im Bunkai muß der Prüfling ein fortgeschrittenes

Verständnis des Zusammenhangs von Kata und sinnvollen

Anwendungen zeigen können. Alle bis zu der jeweiligen Graduierung

erlernten Kata gehören in der Oberstufe selbstverständlich mit zum

Prüfungsstoff.

 

 

Dan - Grade


Dan sein heißt, Vorbild sein!


Bezogen auf die innere Reife, die sich auch in den Techniken ausdrückt,

führt der Prüfling seine Ausbildung fort. Erlaubt der Prüfer eine

Graduierung ohne diese Reife, dient dies weder dem Prüfling noch dem

Karate.


In allen Prüfungsteilen muß der Prüfling eine vorbildliche Haltung und

Ausführung zeigen können, um sich als Meister gegenüber den Schülern

deutlich zu unterscheiden.


Dies drückt sich auch in dem schwindenden Anteil praktischer

Prüfungsteile der höheren Dan - Grade aus.

 

 

Wartezeiten

 

Die Wartezeiten sind Mindestzeiten, denen ein zweimaliges Training pro Woche

zugrunde liegt. Hieraus ergibt sich auch die Mindestzahl der Trainingseinheiten,

die die Dojo- bzw. Übungsleiter durch Listen kontrollieren sollten. Die

Wartezeiten sollten nicht unterschritten werden. Sie betragen:

 

zum 8. Kyu - 3 Monate

zum 7. Kyu - 4 Monate

zum 6. Kyu - 4 Monate

zum 5. Kyu - 6 Monate

zum 4. Kyu - 6 Monate

zum 3. Kyu - 8 Monate

zum 2. Kyu - 8 Monate

zum 1. Kyu - 8 Monate

zum 1. DAN - 1 Jahr

zum 2. DAN - 2 Jahre

zum 3. DAN - 3 Jahre

zum 4. DAN - 4 Jahre

zum 5. DAN - 5 Jahre

zum 6. DAN - 6 Jahre

 

Kinder bis zur Vollendung des 8. Lebensjahres haben die doppelte Wartezeit.

Außerdem entfällt bei ihnen bis einschließlich 6. Kyu der Prüfungsteil „Kumite“.

Jugendliche bis zur Vollendung des 12. Lebensjahres haben die eineinhalb fache

Wartezeit.

Die Wartezeit zum 1.DAN beträgt 1 Jahr, Mindestalter 16 Jahre oder 8 Jahre aktives Karate

Die Wartezeit zum 2. DAN beträgt bei Personen, die das 20. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, 3 Jahre.

Die Wartezeit zum 3. DAN beträgt bei Personen, die das 25. Lebensjahr noch nicht

vollendet haben, 4 Jahre.

Die Wartezeit zum 4. Dan beträgt bei Personen, die das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, 5 Jahre.

Entscheidend für die Wartezeit ist das Alter am Tage der Prüfung, für die der Prüfling ansteht.


Prüfungskriterien


Das Bestehen einer Prüfung hängt letztlich davon ab, welchen Gesamteindruck

der Prüfer vom Prüfling gewinnt. Neben der bloßen Leistung ist auch die

Persönlichkeit, das Alter, das Geschlecht und die Verfassung des Prüflings zu

berücksichtigen. Wesentliche Negativpunkte, die in das Urteil mit einfließen

müssen, sind gegeben, wenn der Prüfling

die Techniken nicht gemäß dem Standard vorführt

nur mangelhaftes Kime zeigt

die Kata – wenigstens in einem zweiten Versuch – nicht fehlerfrei (einschl.

    Kiai) zeigt

Ausdauerschwäche zeigt, die mangelhaftes Training vermuten lassen

ein unwürdiges oder undiszipliniertes Verhalten (z.B. Stören anderer Prüflinge

       u.v.m.) zeigt.

Prüfer sind ermächtigt, Prüflinge auch von der laufenden Prüfung auszuschließen,

wenn diese z.B. ein unwürdiges oder undiszipliniertes Verhalten,

welches dem Geist des Karate-do widerspricht, an den Tag legen. Die Prüfung

gilt in einem solchen Fall als „nicht bestanden“.

Nicht bestandene Prüfungen können nach einem Monat wiederholt werden.